Poitou-Esel

der Familie Ellermann

Gelassenheit ist ihre Stärke

Leicht zu finden ist der Hof von Frank Ellermann in Rehburg, denn bereits auf dem Dach zeigt kein Wetterhahn, sondern ein Wetter-Esel, woher der Wind weht.

Ganz besonderen Eseln hat sich der KFZ Meister verschrieben - den Baudet du Poitou - sogenannte Riesenesel, deren Ursprungsland Frankreich ist. Vor 30 Jahren fast ausgestorben, gibt es heute wieder ungefähr 700 Zuchttiere von diesen zottigen Großeseln weltweit. Hengste erreichen ein Stockmaß bis zu 1,50 m, Stuten sind etwas kleiner und werden bis zu 1,40 m groß. Dabei bringt so ein Eselhengst auch schon einmal 450 kg auf die Waage.

In Frankreich nutzte man den Poitou in der Kreuzung mit der Kaltblutrasse Boulonnais zur Zucht von schweren Maultieren. In der Regel haben Esel hohe schmale und sehr harte Hufe, bei den Poitou werden sie allerdings breiter, mit ca 12 cm Durchmesser gewünscht.

Vier Stuten sind in der Zwischenzeit in Rehburg beheimatet und laufen hinter dem Haus der Ellermanns gemeinsam auf der Weide. Ruhig und friedlich geht es zu, denn die Stuten sind untereinander sehr verträglich. Stolz präsentiert Frank Ellermann seine vier: Die zweijährige Belle und Shiva mit den vielen Locken. Dazu Sabrina, deren Markenzeichen ihre gewaltigen Schlappohren sind. Beide sind 3 Jahre alt. die vierte im Bunde ist die kurzhaarige Rosebud (4 Jahre), eine besondere Schönheit mit ihrem seidig glänzenden Fell. Außer Belle erwarten alle drei im kommenden Mai Nachwuchs.

Als Vatertier wurde De Gaulle ausgesucht, ein poitoueselhengst der in Schleswig-Holstein in Europas größten Zoo für bedrohte Haustierrassen - der Arche Wader - leben. Greenpeace unterstützte den Aufbau dieses Zoos. Dort tummelten sich die Eseldamen mit dem imposanten De Gaulle sechs gemeinsame Wochen auf der Weide.

Maximal 10 esel sollen es mal werden, die dann hinterm Haus so ab und an das ihnen eigentümlich "i - ah" erschallen lassen. Rosebud und Sabrina haben übrigens eine lange Reise hinter sich. Sie wurden in Texas geboren und als ihre Besitzer nach Frankreich umsiedelten, reisten die beiden Eseldamen mit über den Atlantik. In Frankreich entschied der Texaner seine Esel doch zu verkaufen und Frank Ellermann machte sich auf die 1200 km weite Reise, um sich die Esel anzusehen und einen zu kaufen. Doch sicher haben Rosebud und Sabrina ihren ganzen Charme spielen lassen- letztendlich reisten beide in die Region ans Steinhuder Meer. Auch Ehefrau Angela und die drei Töchter Angelique (8), Monique (6) und Veronique (16Mon) lieben die Esel und können gar nicht oft genug im Fell der freundlichen Damen kuscheln.

Ruhe und Gelassenheit strahlen die Stuten aus, wenn man sich zwischen ihnen bewegt - einer der Gründe, warum Frank Ellermann sie sich zulegte. Pferde seien ihm wegen des lebhafteren Temperaments immer etwas suspekt gewesen. Für die Freizeit suchte er einen ruhigen Ausgleich. Neben der Zucht möchte er seine Esel zum Wandern und spazieren gehen einsetzen. Eventuell sollen sie auch gefahren werden.- Doch erst einmal erwartet die Familie den Nachwuchs im kommenden Jahr. Man überlegt schon allerlei Namen. Bei den Poitou erfolgt die Namensgebung nach dem Alphabet und im Jahr 2010 beginnen alle Fohlen dann mit dem Buchstaben A. Allerdings werden die letzten Buchstaben des Alphabets wie X, Y und Z weggelassen, da es zu schwer ist, hier genügend Namen zu finden.

Die Poitou erhalten keine Brandzeichen, sondern werden gechipt. Durch diese seltene Eselrasse ist die Region am Steinhuder Meer um eine weitere Besonderheit bereichert- nicht nur seltene Vogelarten und Wasserbüffel zur Landschaftspflege können beobachtet werden, auch Familie Ellermann zeigt ihre Zuchtperlen Interessierten nach Voranmeldung gerne.

Quelle: Der Pferde-Zirkel November / Dezember VI / 2009
Autorin Marianne Schwöbel

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